
meine schwester meint, daß wir das schlampengen haben. nicht, daß es was schlechtes wäre - nein - aber es macht sich das eine oder andere mal bemerkbar. wenn ihr jetzt denkt, daß ich jetzt nur noch mit begriffen aus der unteren schublade um mich schmeiße - auch da widerspreche ich. ich habe doch tatsächlich über eine studie gelesen, daß es eine art fremdgehgen gibt. soll das jetzt die paradeausrede werden? "du schatz, ich kann nichts dafür... weißt eh.... das ist vererbt." pfffft.... ich glaube, das gilt leider nicht.
aber nun zurück zum eigentlichen problem. wir alle drei - mama, meine schwester und ich - haben sehr zeitig geheiratet. wir trafen die große liebe, blieben dort picken und traten vor den altar, schworen uns ewige treue. nun, jahrelang passiert nichts - man lebt seinen traum. und auf einmal ist ER da. und jeder, wirklich jeder von uns passierte wohl das gleiche - nur eben auf unterschiedliche art und weise.
was tun in solch einer situation? natürlich treu bleiben. immerhin sitzt zu hause der liebende und treusorgende ehemann, der auch noch der sorte "brav und treu" angehört. und ich liebe meinen mann, war ihm immer treu. und plötzlich wird es zum problem. es ist kein problem der sorte "vergeht schon wieder", wenn man es ignoriert, einfach nicht hinschaut. nein, es wird größer und größer. was da genau passiert, kann man mit worten nicht erklären. es bekommt eine art eigendynamik. da ist er nun. groß, stark, alles was er anpackt hat hand und fuß. diese blicke, die flüchtigen berührungen, die sich mit einem angenehmen schauer in die haut einbrennen. ein paar nette emails, ein paar flirtende worte zwischendurch, hie und da mal ein sms. und plötzlich reicht dieses unschuldige blickeaustauschen nicht mehr. etwas weiter südlich - ja! genau da! - rührt sich was. oh mein gott! nein, das darf nicht sein.... oder doch? wie kann ich etwas kontrollieren über das ich gar keine macht habe? ganz strenge unter euch werden den finger heben und laut "dudu" sagen. ja, ja, das habe ich auch schon gemacht. aber soll ich euch was verraten? es hilft nicht! sogar erklärungen, die ich bisher für eine frechheit hielt, kommen mir in den sinn... nämlich.... "es hat nichts mit dir zu tun." tja, es hat tatsächlich nichts mit meinem angetrauten zu tun. ich liebe ihn nachwievor.
naja, wenn es zu dem thema schon eine wissenschaftliche studie gibt - ja! das schlampengen lebt! - kann mir dann auch irgendeine statistik sagen, ob es daran liegt, daß ich mich in frühen jahren nicht gut genug ausgetobt habe? denn das habe ich tatsächlich nicht. ja, ich hatte sex, viel sex. aber ich kenne meinen mann schon soooo lange, daß sich meine ganze erfahrung nur auf ihn bezieht. hab ich jetzt sowas wie eine verspätete pubertät - hoffentlich bleiben mir die pickel erspart! - ? bei meiner mama und meiner schwester ist es ähnlich bzw. ähnlich gewesen. also... entweder habe ich ein gen geerbt, daß das leben so schön aber auch seeeehr kompliziert macht oder ich hole meine pubertät nach. wie auch immer. die moral verbietet das eine und das andere. also heißt es weiter heimlich schmachten, heimliche sehnsucht, heimliches "bitte berühr mich doch!" bis ich wohl explodiere und ich sage euch... ich werde explodieren. oder... es passiert irgendwann das, was leider so unglaublich viele tun - ich gebe der sehnsucht nach und genieße ohne meinem liebsten zu hause etwas wissen zu lassen. denn dem anderen wehtun, nur weil man sich das gewissen erleichtern will... nein! das kommt nicht in frage.
jorge bucay stellt folgende frage in den raum: kann die monogamie überhaupt funktionieren? ja, wir wollen, daß sie funktioniert, wir bauen unser leben darauf auf, aber.... auch wenn wir es wollen... gelingt es? ist es realistisch?